Tipps und Tricks: Wenn der 3D Druck zur Nervenprobe wird

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Foto: Fellner Manfred / RC Center Austria

Es gibt Momente beim 3D Druck, da würde man aus Frust am liebsten ganz dezent in die Tischkante beißen. Keine Sorge, damit bist du nicht alleine! Auch wir hatten schon solche Momente. Doch die gute Nachricht ist, dass wir in den letzten Wochen sehr viel getestet haben und euch nun einige Tipps und Tricks weitergeben können.

Der Druck von 3D Modellen macht wirklich großen Spaß. Meistens zumindest…

Es gibt aber auch diese Momente wo es einfach nicht so richtig klappen will. Spätestens wenn nach unzähligen Versuchen die Ideen ausgehen und das Filament auf der Rolle immer weniger wird, kommt auch schon mal Frust auf.

Damit es bei dir erst gar nicht soweit kommt, haben wir dir an dieser Stelle einige Tipps und Tricks zusammengefasst.

Allgemeines

Beginnen wir bei den Grundlagen des 3D Drucks. Gehen wir einmal davon aus, dass kein technischer Fehler am Drucker vorliegt, gibt es dennoch noch einige Fehlerquellen. Oft scheitert es nämlich an Kleinigkeiten, die man selbst überprüfen und beheben kann.

  • Achte immer darauf, dass die Druckplatte korrekt ausgerichtet ist. Das heißt, die Düse muss den korrekten Abstand zur Platte haben und zwar an jeder Stelle des bedruckbaren Bereichs.
  • Wenn möglich, nutze ein beheizbares Druckbett. Für einige Materialien ist es sogar unbedingt notwendig.
  • Offene 3D Drucker wie unser ANYCUBIC Chiron sind empfindlich auf Zugluft, Ventilatoren, Klimaanlagen usw. Auch direkte Sonneneinstrahlung kann negative Auswirkungen haben. Wenn es mit dem Druck nicht klappt, liegt es vielleicht also nur am falschen Standort.
  • Auf der Suche nach dem Fehler kommt man manchmal nur nicht auf das naheliegendste. Denke daran, dass Modell das du drucken möchtest, ist vielleicht falsch konstruiert bzw. sehr schwer (oder nur mit speziellen Einstellungen) zu drucken.
  • Sehr selten aber doch, liegt beim Filament ein Materialfehler vor. Im Zweifel versuchen wir daher, das Modell mit dem Filament eines anderen Herstellers zu drucken.
  • Auch falsch gelagertes Filament kann zu unerwünschten Ergebnissen führen. Insbesondere Feuchtigkeit sollte unbedingt vermieden werden. Für die Lagerung und Trocknung von Filament, gibt es spezielle Trockenboxen zu kaufen.
Foto: Fellner Manfred / RC Center Austria

Am Foto oben siehst du einen Fehlversuch mit ABS, drucken wollten wir unsere Batterie-Box. Trotz korrekter Einstellungen und zusätzlicher Unterstützung, löste sich der Druck vom Druckbett.

PLA

Das optimale Material für den Einstieg ist PLA Filament. Es lässt sich sehr einfach verarbeiten, kann auch ohne beheiztem Druckbett gedruckt werden und verzieht sich weit weniger als so manch anderes Material.

Sollte der Druck mit anderen Materialien nicht funktionieren, oder nicht unseren Qualitätsansprüchen genügen, versuchen wir es daher mit PLA. Zwar hat das Material den Nachteil, dass es nicht witterungsbeständig ist, für die meisten Ausdrucke eignet es sich dennoch sehr gut.

Tipp: Modelle aus PLA lassen sich sehr einfach nachbearbeiten, also entgraten, schleifen und lackieren. Darum ist PLA fast immer unsere erste Wahl!

ABS

Der Druck von Modellen mit ABS Filament ist oft eine große Herausforderung. Zwar hat ABS zwei große Vorteile, es ist witterungsbeständig und sehr stabil, doch lässt es sich nicht so einfach verarbeiten wie PLA.

ABS neigt sehr stark dazu, sich beim abkühlen zu verziehen. Wir nutzen ABS nur bei Modellen, die häufig Sonne und/oder Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Demnächst werden wir dazu auch noch einen Langzeittest starten.

  • Für den 3D Druck mit ABS ist ein beheiztes Druckbett unbedingt erforderlich.
  • Ein geschlossener 3D Drucker ist sehr zu empfehlen, am besten mit beheiztem Bauraum.
  • ABS reagiert beim Druck sehr empfindlich auf Zugluft.
  • ABS schrumpft beim abkühlen um bis zu 2,5%. Das muss bei der Maßgenauigkeit berücksichtigt werden.
  • Nutze unsere Tipps im Kapitel Warping um Probleme zu vermeiden.

Unsere Einstellungen

Nach vielen Fehlversuchen haben wir die für uns besten Einstellungen gefunden. Diese sehen so aus:

Wir drucken mit 230° Celsius und einer Druckbett-Temperatur von 100° C. Dies kann für dich ein Richtwert sein, beginnen solltest du jedoch mit den empfohlenen Einstellungen des Filament Herstellers.

Warping

Das häufigste Problem ist die zu geringe Haftung des ABS Filaments am Druckbett. Oder anders gesagt, die Ecken des Modells heben sich beim drucken vom Druckbett ab. Das ist das sogenannte “Warping“.
Entweder löst sich der Druck komplett ab oder die Ecken stehen nach oben. So oder so, dass Modell ist nicht zu gebrauchen.

Um diesen negativen Effekt zu verhindern, oder wenigstens stark einzudämmen, gibt es im Internet viele angebliche Geheimtipps und teure Hilfsmittel. Die meisten davon haben uns allerdings nichts gebracht oder waren zu umständlich!

Spezielle Sprühkleber waren z.B. relativ nützlich, aber auch schwer wieder von der Platte zu entfernen.

Im Folgenden zeigen wir dir, was sich bei uns bewährt hat:

Tipps und Tricks

Unser ANYCUBIC Chiron steht in einer ruhigen Ecke des Büros ohne direkte Sonneneinstrahlung und Zugluft. Einen ähnlichen Aufstellungsort empfehlen wir auch dir. Vor allem wenn du mit ABS oder anderen schwierigen Materialien arbeitest.

Vor dem Druck überprüfen wir generell die Nivellierung des Druckbetts sowie die restlichen Einstellungen. Das ist vor allem wichtig, wenn man häufig mit unterschiedlichen Materialien arbeitet. Das Druckbett reinigen wir mit einer Spachtel vor und alle 4-5 Ausdrucke gründlich mit Alkohol.

Wenn das Druckbett vorgeheizt ist, warten wir noch ca. 1 Minute, bevor wir mit dem Druck beginnen. Die Temperatur kann sich so stabilisieren, was insbesondere bei großflächigen Modellen eine bessere Haftung bieten kann.

Zusätzlich nutzen wir für bessere Haftung am Druckbett ein sogenanntes “Blue Tape“, teilweise auch Klebestifte. Das hat sich besonders beim ABS Druck bewährt.

Software

Insbesondere vor dem ABS Druck nehmen wir zusätzliche Einstellung in der Slicing-Software vor. Dazu zählen:

  • Die Schichthöhe stellen wir auf max. 0,2mm.
  • Das Infill, also die Füllung, stellen wir auf 25% ein.
  • Den Lüfter (Kühlung) deaktivieren wir.
  • Modelle mit kleiner Bodenfläche drucken wir mit “Brim“, bei größeren Modellen verwenden wir “Raft“. Beides sind Methoden um die Haftung zu erhöhen und Warping zu minimieren.

Manchmal reicht aber auch das nicht aus, dann greifen wir zusätzlich zum Blue Tape. Wenn sonst nichts mehr hilft, nutzen wir statt dem Blue Tape einen Klebestift.

Screenshot: Fellner Manfred / RC Center Austria

Falls du weitere Tipps und Tricks zum Thema 3D Druck kennst, lass es uns doch im Forum wissen.