Mercedes-Benz Arocs 6×4 – Teures Spielzeug mit Lizenz

You are currently viewing Mercedes-Benz Arocs 6×4 – Teures Spielzeug mit Lizenz
Foto: Fellner Manfred / RC Center Austria

Ein LKW Modell mit 10 Funktionen, wie sollten wir da noch nein sagen können? Der Karton machte einen hochwertigen Eindruck, drinnen sollte alles sein was wir benötigen und das ausgestellte Modell sah auch gut aus. Schon lag der Mercedes Arocs in unserem Einkaufswagen.

Bei einem Preis von knapp 130 Euro für ein Komplettset darf man sich kein Profi RC Modell erwarten, soviel ist schon mal klar. In diesem Fall standen für uns aber sowieso die Optik und der Spielspaß im Vordergrund. Die Optik stimmte schon mal und bei 10 beworbenen Funktionen sollte sich der Spielspaß von selbst einstellen.

Tipp: Auf Amazon haben wir den Mercedes-Benz Arocs 6×4 auch schon deutlich günstiger gesehen.

Der LKW ist im Maßstab 1:14 und RtR. Mit einer Länge von knapp 42cm und einer Breite von ca. 15cm kommt das auch gut hin. Die Höhe beträgt 18,1cm.

Unboxing

LKW und Zubehör sind ordentlich in Styropor verpackt, da fällt nichts herum. Genau so sollte es auch sein!

Der recht kleine Fahrakku fällt uns gleich ins Auge. Etwa 20 Minuten Fahrzeit soll damit möglich sein. Dabei hat er nur 7,2V und eine Kapazität von gerade einmal 400 mAh.

Ob das wirklich funktioniert, werden wir später noch herausfinden.

Foto: Fellner Manfred / RC Center Austria

Ein Blick auf die Rückseite des Kartons hätte uns bereits im Geschäft verraten, was wir nun herausfinden mussten. Wie bei vielen anderen RC Modellen fehlten 4 Stück AA Batterien für die Fernsteuerung. Die hatten wir sowieso zu Hause, also konnte es trotzdem gleich losgehen. Fast alles andere war nämlich tatsächlich im Lieferumfang enthalten. Fast?

Ja. Denn die Batterieabdeckung der Fernsteuerung sowie die Akkuabdeckung an der LKW Unterseite sind jeweils mit einer Schraube gesichert. Einen Schraubendreher sucht man allerdings vergeblich. Zum Glück haben wir auch davon jede Menge herumliegen.

Positiv zu erwähnen ist, dass die Abdeckungen auch ohne Schrauben sehr gut halten. Darum verzichten wir auf diese, was den Akkuwechsel deutlich beschleunigt.

Foto: Fellner Manfred / RC Center Austria

Erste Fahrversuche

Beim starten des Mercedes Arocs wird man von etwas begrüßt, was der Hersteller als Sound bezeichnet. Akustische Körperverletzung trifft es wohl eher… Der Lärm lässt sich über die Fernsteuerung deaktivieren, der Griff zum Seitenschneider um den Lautsprecher abzutrennen bleibt uns also erspart.

Kaum gestartet, fällt auch schon die Lenkung auf. Leider ist sie nicht proportional. Oder anders gesagt, sie kennt nur ganz oder gar nicht. Etwas einschlagen ist nicht drin, wobei das nicht weiter ins Gewicht fällt, da der Wendekreis sowieso enorm ist.

Der LKW wird über die beiden hinteren Achsen angetrieben, hat ausreichend Kraft und fährt gemütlich dahin. Das ist durchaus positiv gemeint, ein solches Fahrzeug ist ja kein Rennauto.
Über das glatte Laminat im Büro, dann über die Schwelle zum Vorraum und weiter zum Teppichvorleger im Schlafzimmer.

Bis dahin läuft alles prima. Doch dort ist dann leider auch schon beinahe Schluss. Mit einer Bodenfreiheit von nur 14mm bleibt er mit der Frontschürze an der Teppichkante hängen und die Reifen drehen durch.

Mit etwas Geschick und im Rückwärtsgang wird das “Hindernis“ dann doch noch erklommen.

Wie gering die Bodenfreiheit tatsächlich ist, zeigt das folgende Foto am deutlichsten. Dabei ist der Rasenteppich nur wenige Millimeter hoch.

Offroad? Vergiss es!

Wenn es in der Wohnung schon schwierig ist, wie wird sich der Mercedes LKW dann erst im Freien schlagen? Wir ahnen nichts gutes, wollen es aber natürlich genau wissen.

Einen echten Offroad Test ziehen wir erst gar nicht in Betracht. 14mm Bodenfreiheit, keine Federung und Reifen mit Straßenprofil, was soll man da großartig erwarten? Allerdings ist das Modell auch gar nicht dafür gedacht.
Daher beschränken wir uns auf Fahrversuche am Parkplatz und im Garten.

Auf dem griffigen Asphalt fühlt sich der Arocs sichtlich wie zu Hause. Kleinere Unebenheiten steckt er problemlos weg und der Motor liefert ausreichend Kraft. Test beendet, alles gut? Nicht ganz…

Schon auf kurzem Rasen drehen die Reifen recht schnell durch. Auf feinem Kies und Sand sowieso. Auch etwas gröberer Schotter liegt ihm nicht so wirklich. Der Mercedes Arocs bewegt sich am liebsten auf festem Untergrund.

Foto: Fellner Manfred / RC Center Austria

Spielfunktionen

Sound

Kommen wir nun aber zurück auf die beworbenen Funktionen. Den Sound haben wir ja bereits entdeckt, dass wäre also Nr. 1 von 10. Der Ton kommt direkt vom LKW, klingt aber weder realistisch noch qualitativ gut.

Dafür wurde aber auch an das Rückfahrsignal gedacht und bei Kurvenfahrten ändert sich der Ton. Wobei das Rückfahrsignal nur dann ertönt, wenn man geradeaus zurück fährt. Jede Lenkbewegung unterbricht den Ton.

Auch erschließt sich uns nicht, warum es keine Hupe gibt.

Kippmulde

Nr. 2 ist die kippbare Mulde, welche sich auch über die Fernsteuerung bedienen lässt. Die ist wirklich ordentlich gemacht und hebt in unserem Test locker 2kg. Beim anheben der Mulde öffnet sich gleichzeitig die hintere Klappe, da kommt tatsächlich Spielspaß auf.

Das die Kippfunktion keinen Endanschlag hat, würde uns normalerweise eher stören. Doch da es sich hier eher um ein Spielmodell handelt, ist es von Vorteil, da man dadurch die Mechanik nicht beschädigen kann. Bleibt man z.B. zu lange auf dem Absenk-Knopf, fährt die Mulde einfach wieder nach oben. Und umgekehrt.

Animation: Fellner Manfred / RC Center Austria

Beleuchtung

Dann besitzt der LKW noch LED Beleuchtung. Das wäre also Funktion Nr 3. Das Licht lässt sich ebenfalls per Fernsteuerung an und aus schalten. Leider haben wir aber auch hier einiges zu kritisieren.

Die Frontscheinwerfer sind einfach nicht hell genug um sie als solche ernstnehmen zu können. Doch das ist noch das geringste Problem. Die Lichtfunktion ist generell nicht durchdacht!

Fährt man vorwärts, leuchten Front- und Heckscheinwerfer. Fährt man rückwärts, blinken alle 4 Scheinwerfer. Das ist schon eigenartig, es wird aber noch komischer.
Lenkt man ein, blinken die jeweiligen Scheinwerfer und simulieren damit einen Blinker. Für einen echten Blinker hat es leider nicht gereicht… Gleichzeitig gehen die Scheinwerfer der anderen Seite jedoch aus. Bitte was soll das?

Dann zählen wir also noch einmal durch:

  • 1. Sound
  • 2. Kippbare Mulde
  • 3. LED Beleuchtung

Und das wars auch schon. Haaaaaaaalt! War nicht die Rede von 10 Funktionen? Ja, aber die konnten wir leider nicht finden. Selbst wenn wir sehr gnädig sind und Motorsteuerung sowie Lenkung dazunehmen, kommen wir nur auf insgesamt 5 Funktionen.

Anfragen bei Hersteller und Verkäufer laufen. Wir halten euch auf dem laufenden!

Update: Während wir vom Hersteller noch keine Antwort erhalten haben, hat uns der Händler telefonisch kontaktiert. Laut diesem hätte das Modell sogar noch viel mehr Funktionen als angegeben. Das z.B. die rechte LED blinkt wenn man nach rechts fährt und die linke wenn man nach links lenkt, wären bereits 2 Funktionen. Auch der Sound wäre ja nicht nur eine einzelne Funktion, er würde sich nämlich beim einlenken und beim Rückwärts fahren verändern.

Diese Auslegung finden wir zumindest sehr kreativ. Man könnte es auch Kundenverarsche nennen!

Immerhin hat der Akku im Spielbetrieb (ohne Sound) etwa 20 Minuten durchgehalten und die Kippfunktion funktioniert zuverlässig.

Video

Auf Stärken und Schwächen des Modells gehen wir auch in unserem YT-Video ein. Da zeigen wir dir auch, was Amewi unter „realistisch“ versteht. Wir haben eine davon etwas abweichende Meinung…

Fazit

Am Ende konnte uns der Mercedes-Benz Arocs 6×4 nicht überzeugen. Für ein von Mercedes-Benz offiziell lizenziertes Produkt, ist er einfach nicht gut genug. Immerhin wird er von Hersteller Amewi als “Professionelles RC LKW Modell“ beworben!

Für ein einfaches Spielset ist es wiederum zu teuer. Zwar hat das Modell eine coole Kippfunktion, die tatsächlich Spaß macht und stabil konstruiert ist, dass alleine rechtfertigt aber nicht den hohen Preis.

Foto: Fellner Manfred / RC Center Austria